Sie sah ihm direkt in die Augen. Nur einen Augenblick
Sie trafen sich am Spielplatz zum Reden, Rauchen, Musik machen.
Es war immer so, dass die anderen auch kamen. Ein Wort wechselte das andere. Eigentlich prügelten sie sich oft. Manchmal heftiger, manchmal weniger. Dieses Mal war es besonders schlimm.
Plötzlich sah er das kleine Mädchen an der Schaukel stehen. Sie hatte ihre Puppe eng umschlungen, sie hatte Angst und weinte.
Sie sah ihm direkt in die Augen. Nur einen Augenblick.
Er schämte sich.
Das hier musste ein Ende haben.
Keiner wusste mehr, warum sie sich eigentlich immer im Park trafen, um sich zu prügeln.
Sie hörten andere Musik, zogen andere Klamotten an. Aber eigentlich steckten sie alle in der gleichen Situation: Schule war ätzend, Aussicht auf Job oder Ausbildung hatte kaum jemand, Stress zu Hause hatten alle.
Die Kämpfe wurden immer gewalttätiger. Sie traten und prügelten.
Woher er plötzlich die Eisenstange hatte, wusste er nicht. Er hielt sie in der Hand, fühlte sich stark. Er war so wütend.
Ein älterer Mann trat zwischen sie. Ganz ruhig. Sie brüllten ihn an zu verschwinden, abzuhauen, aus dem Weg zu gehen.
Doch er blieb ruhig stehen und sagte nur: „Wo soll das enden?"
Zusammen in der U-Bahn fühlten sie sich gut. Sie waren laut, hörten Musik. Sie machten andere Leute an, zogen Witze. Schubsten auch schon mal jemanden. Alle anderen sollten weg, nur Platz für sie sollte sein. Für sie, die sonst immer um ihren Platz kämpfen mussten. Die Leute gingen beiseite, stiegen aus, duckten sich weg. Sie wurden immer ausgelassener.
Der schwarzen Frau mit ihrem kleinen Kind traten sie in den Weg, bedrängten sie. Sie waren besser als sie, stärker, mächtiger. Das Kind fing an zu weinen. Plötzlich standen andere Frauen auf und stellten sich neben die schwarze Frau, wortlos. Es wurde stiller und stiller in der Bahn. Zuletzt kam eine alte Frau dazu. Sie hätte es nicht mehr zu sagen brauchen, doch sie tat es: „Ihr solltet Euch schämen!"
von Fanny Dethloff
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